Sonntag, 28.04.: Der Diskurs:

Verstärker – Der Diskurs besteht aus vier Themensträngen zu fachspezifischen Themen der Popularmusikszene, welche im Rahmen diverser Workshops, Diskussionen und Runden Tischen intensiv behandelt werden. Interessierte und Fachpublikum können sich mit neuem Input versorgen, Problemlösungen zu aktuellen Themen der Szene erfahren oder zusammen neue thematische Ansätze diskutieren. Hierfür sind etablierte Akteure der Popularmusikszene geladen, um mit ihrem Fachwissen in Diskussionen und Vorträgen den Diskurs zu bereichern.

11.00 – 18.00 Uhr | Eintritt frei!

Panel I: Pop ist Geld! - Finanzierung, Urheberrecht und Popförderung

Talk: „Online Musikfinanzierungsmodelle“
Emanuel Tannert (Online-Label, Musiker)
Funktionieren alternative Musikfinanzierungsdienste zu den üblichen mp3-Verkäufen überhaupt und was haben die Künstler davon? Emanuel Tannert stellt die verschiedenen Internet basierten Musikfinanzierungsmodelle vor und erklärt wie sie funktionieren und ob sie das tun. Sowohl jene, die schon in die Praxis umgesetzt wurden (Flattr, Bandcamp, Spotify und co.), als auch solche, die bisher nur Gedankenspiele sind, wie beispielsweise eine Kulturflatrate oder die Kulturwertmark.

Workshop: „Urheberrecht“
Andreas Knauf (Fachanwalt für gewerblichen Rechtsschutz)

Workshop: „Suchmaschinen - Optimierung für Bands“
Thorsten Weber (Webmaster, Online-Radio, DJ)
Was hat deine Homepage mit Hundefutter gemeinsam? Könnte deine Homepage ein paar mehr Besucher vertragen, außer deiner Mutter und dir selbst? Dann optimiere deine Webseite für Suchmaschinen. Du hast eine tolle Webseite für deine Band erstellt, inklusive Facebook-Integration, Blog und Twitter-Stream. Aber deine Fans finden auf der ersten Google-Trefferseite nur einen Zeitungsbericht der drei Jahre alt ist und eine Myspace-Seite, die kein Mensch mehr pflegt. Mit wenigen Handgriffen kannst du das ändern. Willkommen in der Welt der Suchmaschinen-Optimierung (SEO). Der Workshop zeigt dir, wie du in den Google-Suchergebnissen immer weiter nach oben kletterst. Dieser Erfolg ist steuerbar, egal ob du Hundefutter anbietest oder den nächsten Nummer-1-Hit.

Podiumsdiskussion "Popförderung vs. Musiker - wie praxisnah wird gefördert?"
Diskussionsteilnehmer: Florian Dziajlo (Musiker bei A Tale Of Golden Keys), Lena Dobler (Solokünstlerin), Chris Bayer (Musiker bei der Band Freedom Call), Michael
Stroinski (Initiative Musik, Berlin), Steffen Zimmermann (Geschäftsführer Musikzentrale Nürnberg), Erich Schneider (Direktor Berufsfachschule für Musik Dinkelsbühl),
Moderation: Jürgen Enninger (Ansprechpartner Bayern des Kompetenzzentrums Kultur-und Kreativwirtschaft)
Das Thema Popförderung hat in den letzten Jahren immer mehr an Bedeutung gewonnen - Verwaltung, Politik und sogenannte "freie Träger" haben vielerorts die Förderung von populärer Musik in ihren Aufgabenbereich integriert. Pop Fördereinrichtungen müssen sich in diesem Prozess der fortschreitenden Institutionalisierung, aber auch im Prozess des sich stetig wandelnden (Musik-) Marktes immer wieder die Frage stellen, wo tatsächlich die Bedürfnisse der Akteure der Popkultur, und hier speziell der Musiker, liegen.  Wie schätzen jedoch Musiker und Bands selbst die Bedarfslage und Anforderungen an Popförderung ein? Unterscheidet sich der Bedarf eines Profi-Musikers grundlegend von dem eines Amateurs oder Semi Profis? Wie sehen das aktive Popförderer? Diesen und anderen Fragen wird bei der Podiumsdiskussion im Panel "Pop ist Geld" nachgegangen.


Panel II: Pop ist Neu! – Nachwuchsförderung, Jugend(musik)kultur

Runder Tisch: Nachwuchsförderung und Jugendmusikkulturarbeit  (nicht öffentlich)
Die Jugendkulturveranstalter der Region treffen sich zum allgemeinen Austausch und „Kontakte knüpfen“ und sprechen über Probleme und Chancen der Nachwuchsförderung.

Diskussionsveranstaltung: "Nachwuchsbandwettbewerbe - Förderung oder Auslese?"
Teilnehmer: Matthias Mehwald (Emergenza), Paul Misic (School Jam), Wolfgang Riedl (NN-Rockbühne), Rolf Falk (Luise – The Cultfactory)
Bandwettbewerbe sind „abzocke“, „pay to play“ und „unfair“, nicht die interessantesten Bands gewinnen, sondern die angepasstesten und was für eine Nachhaltigkeit für junge Künstler können und wollen solche Wettbewerbe bieten? Jetzt, da jedes Jugendzentrum seinen eigenen Bandcontest ausruft, ist spätestens der Zeitpunkt gekommen sich der Sinnhaftigkeit zumindest auf regionaler Ebene zu stellen. Wollen die Veranstalter den Bands wirklich ein Forum bieten oder einfach nur eine gut besuchte Veranstaltung und Einnahmen generieren?


Panel III: Pop ist Laut! – Veranstalten und Festivals

Runder Tisch der regionalen Festivals (nicht öffentlich)
Die Festivals der Region unterhalten sich über aktuelle Problemstellungen wie Ausländersteuer, Sponsoring oder Künstlersozialkasse.

Runder Tisch der regionalen Veranstalter (nicht öffentlich)
Neben Präsentationen des frisch gegründeten regionalen Veranstalter-Netzwerks "Kulturliga" und dem Bundesverband der Musikspielstätten "LiveMusikKommission", wird es genügend Raum zur Diskussion aktueller Themen und Problemstellungen geben.

 

Vortrag zum Thema "Umweltschutz und Nachhaltigkeit im Veranstaltungsbereich"
Roman Dashuber
(Green Music Initiative) aus Berlin.
Die Green Music Initiative (GMI) will die Musik- und Entertainmentbranche zu einem grünen Vorreiter machen.  Aber warum und wie muss man sich das vorstellen, ein grünes Festival, ein energieeffizienter Club, eine klimaverträgliche Tour? Diesen Fragen wird Roman Dashuber, Projekleiter bei der GMI nachspüren und Antworten präsentieren. Zudem wird er zeigen, warum der kulturelle Sektor als Akteur unabdingbar ist, wenn der Wandel zu einer zukunftsfähigen Gesellschaft gelingen soll.


Diskussionsveranstaltung: „Stellenwert von Pop- und Livemusik in der Region Nürnberg“
Teilnehmer: Andreas Radlmaier (Projektbüro / Kulturreferat der Stadt Nürnberg), Bernd Schweinar (LiveKomm Bayern), Benjamin Löhner (DJ und Veranstalter), Robert Pollack (Ordnungsamt der Stadt Nürnberg), Sabine Limmer (Kulturliga / DESI), Moderation: Sebastian Dyrschka (Radio Z / Berufsfachschule für Musik)

Alle reden von der Förderung von Kultur- und Kreativwirtschaft, Städte schmücken sich mit kulturellen "Leuchttürmen", Pop wird Standardortfaktor und Antrieb von Tourismus. Nürnberg fördert ein "Pop Festival", Nürnberg will ein Pop/Gegenwartskulturzentrum und hat jetzt auch keine Berührungsängste mehr mit Punks. Und alle fangen sich plötzlich an zu streiten um den kleinen Kuchen "Pop" in der Region, der Markt schreit auf, die Diskussionen laufen. Wir wollen da weiter hinschauen: Wenn alle "Popularmusikkultur" toll finden, wie sieht die Unterstützung der Clubs und Kulturorte denn wirklich aus? Wo unterstützt ein Ordnungsamt bei Problemen mit Anwohnern? Wohin muss ich als Veranstalter, wenn ich einen Zuschuss für irgendwas haben will und kann ich überhaupt etwas kriegen? Braucht es so jemanden wie einen Popbeauftragten für die Region? Wie könnte die Förderung von Spielstätten und Popkultur aussehen? Wie ist denn der Status Quo im Moment? Fragen über Fragen.....da könnte man mal diskutieren.


Panel IV: Was ist Pop? – Popdiskurs und Aussichten

Vortrag: Warum früher nicht alles besser gewesen sein darf. Zur Krise des poptheoretischen Gegenwarts-Dogmas.
Frank Apunkt Schneider (Testcard).

Es ist eine prägende Sozialisationserfahrung der heute 40- bis 50-jährigen, dass Pop in der Lage ist, sich selbst zu erneuern. Nur indem er sich permanent verändert, kann er er selbst bleiben. Die radikalen Umbrüche der Popgeschichte waren stets Revolten gegen seine Erstarrung zur bürgerlichen Kultur. Wo er zum nützlichen Mitglied der Gesellschaft zu verkommen drohte, störte er den Burgfrieden und stiftete die jeweils allerneuste Unruhe. Das alte Versprechen, mit und durch Pop wäre ein anderes Leben möglich, wurde so davor gerettet, bloß Mehrdesselben zu werden. Die 40- bis 50-jährigen, die heute Poptheorie betreiben, glauben daher immer noch an jene Selbsterneuerungskräfte, aus denen der Pop lange Zeit Relevanz und Kraft bezog. Alles andere wäre auch verheerend für ihr Geschäftsmodell: Als Expert_innen für Popkultur haben sie ein Auskommen im Kulturbetrieb gefunden, wo Pop längst die alte Hochkultur abgelöst hat. Ihr Dogma, dass früher nicht alles besser gewesen sein darf, nimmt dabei bisweilen selbst eine wertkonservative Färbung an. Es trägt dem ökonomischen Zwang zur Selbstvermarktung Rechnung. Popkultur ist jedoch abhängig von Systembedingungen, die Poptheorie mitreflektieren muss, auch wo sie bereits im deutschen Feuilleton angekommen ist …  Der Vortrag möchte die emanzipatorische Praxis des Desillutainment am Bespiel idealistischer Popbegriffe demonstrieren.
Frank Apunkt Schneider ist unfreier Künstler, Autor und selbsternannter Poptheoretiker, Mitherausgeber der Testcard, Redakteur bei Skug und außerdem der deutsche Außenposten der Kulturbewegung monochrom (www.monochrom.at).

Diskussionsveranstaltung: Diskurs Poptheorie - Odyssee 2013
Teilnehmer: Sonja Eismann (freie Journalistin, Intro), Didi Neidhart (Skug), Ralf Summer (Zündfunk), Thomas Lechner (Queerbeat), Moderation: Sebastian Gloser (Nürnberger Nachrichten)

Wann habt Ihr das letzte Mal einen Popdiskurs (winke winke Diedrich Diederichsen) geführt? Ohne Erlebnisberichte oder konkretes Anpreisen, sondern mit Blick auf den gesellschaftlichen Kontext, auf mögliche Retromania Sackgassen, auf Rebellion, auf fortschreitende Institutionalisierung, auf vermehrtes Sicherheitsdenken, auf den Status Quo des Popjournalismus und der Musikliebhaber im Jahr 2013? Wir denken, es ist wichtig, diese Punkte aufzugreifen, sich kritisch damit auseinanderzusetzen. Wir denken, es tut gut, (immer mal wieder) eine Verortung in diesen Themensträngen zu finden und freuen uns auf die illustre Runde dazu.